Sächsische Zeitung
Dienstag, 09. August 2005

Willkommen an der Wand
Von Bettina Klemm

Die Gesellschaft historischer Neumarkt schlägt vor, vom Kulturpalast ein Stück wegzunehmen.

Der Kulturpalast soll erhalten bleiben und schrittweise saniert werden. So hat es der Stadtrat beschlossen. Gestern begannen bereits erste Arbeiten an der Fassade. „Mit der komplexen Außensanierung wird vor allem an der Ostseite eine Chance vertan, den Kulturpalast kurzfristig städtebaulich in das entstehende Neumarktgebiet zu integrieren“, sagt Torsten Kulke vom Verein historischer Neumarkt. „Nach den Plänen zur weiteren Bebauung des Gebietes um den Kulturpalast würde an der Galeriestraße eine tote Ecke entstehen. Die Touristen hätten das Gefühl auf eine Wand zu laufen“, sagt er. Eine ähnliche Situation sei schon an der Kleinen Brüdergasse durch den langen Riegel neben dem Taschenberg entstanden. Für die Händler in dieser Häuserzeile sei das eine Katastrophe.

„Wir wollen aber gerade, dass der Neumarkt lebendig wird und das System der vielen kleinen Straßen und Gassen wieder entsteht“, sagt Kulke und schlägt vor: „Der Kulturpalast sollte an der Seite zur Galeriestraße im hinteren Teil etwas zurückgebaut werden. Die ersten drei Kolonnaden-Teile von der Wilsdruffer Straße aus gesehen, würden dann stehen bleiben.“ (Siehe Zeichnungen oben). So könnte man vom Jüdenhof zum Altmarkt blicken und hätte sicher eher Lust durch diese Gasse zu bummeln.

Bautechnisch, so Kulke, sei das kein Problem. Der verbleibende Teil vom Kulturpalast könnte eine großzügige Glasfassade erhalten und so sogar attraktiver werden. Der Neumarkt-Verein möchte diese Pläne nach der Sommerpause in den Stadtratsfraktionen vorstellen.


 

 


Kulturpalast Grundriss (Mehrzwecksaal), 1969

 


So stellen wir uns die Blickbeziehung vom Altmarkt Richtung
Jüdenhof vor. Hinten könnte die Schiffsmühle entstehen.




Das barocke Bürgerhaus "Schiffsmühle" (Galeriestraße 14
an der Ecke zur Frauenstraße) in einer Vorkriegsaufnahme.
Das blockhaft wirkende Haus wurde etwa 1710 durch Haase errichtet.
Während in der Galeriestraße ein zweiachsicher Mittelrisalit mit
Verdachungen ausgebildet war, wurde die Fassade in der Frauen-
straße nur mit zwei für Haase typischen Erkern versehen.

 


Der gleiche Blick nach Vorschlag unseres Vereins vom
Jüdenhof aus. Hier wäre der Altmarkt mit der Kreuzkirche
zu sehen. Grafiken: Kulke (5)

Die Galeriestraße mit Blick vom Kulturpalast in Richtung
Jüdenhof nach dem städtischen Plänen.


Vorschlag der Stadt: Blick vom Jüdenhof aus auf
künftige Bauten am Neumarkt.

 


Kulturpalast im Bau 1968
Deutlich zu sehen die Trennfuge zwischen Ostflügel und Saaleinheit

 


Visualisierung der GHND über eine mögliche Veränderung des Kulturpalastes. Der
neuer Anbau mit einer Stahl-/Glasfassade (denkbar ähnlich des Haus des Buches) könnte durch einen Architektenwettbewerb geklärt werden.

 


Kleine Brüdergasse zur Haupttouristenzeit. Hinten erheben sich wie eine als Barriere wirkende Wand die Wohnblöcke zur Schlossstraße. Der unwissende Reisende empfindet die Straße als Sackgasse! Die Straße wirkt nicht einladend.

 

 

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