Sächsische Zeitung
11. November 2009


Neumarkt-Investor Prisco bekommt Verdienstorden

Von Katrin Saft

Er ist Dresdens bekanntester Italiener – Arturo Prisco. Vor 15 Jahren hat er sich in die Stadt verliebt und seine Spuren hinterlassen: eine denkmalgeschützte Villa in der Bautzner Straße saniert, eine Passage im Wallgässchen geschaffen und das Quartier an der Frauenkirche mit errichtet. Dem heute 65-Jährigen ging es dabei nie nur ums schnelle Geld. Vielmehr sieht sich Prisco als Botschafter von Stil und gutem Geschmack.

Mehr Deutscher als Italiener

Dieses eher ungewöhnliche Engagement blieb auch Rom nicht verborgen. Gestern verlieh ihm Italiens Staatspräsident die höchste Auszeichnung seines Landes, den Verdienstorden „L’Ordine al Merito della Repubblica Italiana“. Den Orden gibt es in fünf Klassen. Prisco erhielt ihn in der Kategorie „Komtur“ und darf sich damit von nun an Commendatore nennen – so wie schon Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher, der den Orden 2002 bekam.

„Der Name Arturo Prisco steht für eine Erfolgsgeschichte“, sagte Italiens Generalkonsul Adriano Chiodi Cianfarani, als er die Auszeichnung in München überreichte. „Durch seine unternehmerischen und innovativen Fähigkeiten hat er Italien zu Ruhm und Glanz verholfen.“ Prisco fungiere als Bezugsperson für italienische Unternehmen in Deutschland und fördere die Zusammenarbeit von Firmen beider Länder.

Der Generalkonsul lobte Priscos Talent, italienische Flexibilität mit deutschem Organisationsstil zu verbinden. Er habe in Deutschland investiert und viele Arbeitsplätze geschaffen. Durch seine mit Unternehmergeist groß gezogenen Kinder lebe die Marke Prisco auch in Zukunft weiter.

Prisco selbst zeigte sich gerührt. „Ich lebe seit 1980 in Deutschland und bin inzwischen fast mehr Deutscher als Italiener“, sagte er. Insofern freue er sich über die Anerkennung seines Heimatlandes.

In kleinem Kreis stieß Prisco gestern in München auf den Orden an. Doch die große Dankesparty soll in Dresden steigen. Für den 21. November hat der Italiener über 100 Freunde und Prominente zu einem Festakt in sein Hotel QF am Neumarkt eingeladen – darunter Ex-Ministerpräsident Kurt Biedenkopf, die Modegurus Werner Baldessarini und Gerhard Wöhrl und den Star-Facharzt für Plastische Chirurgie, Dr. Heinrich Schöneich.

Chocolaterie eröffnet

Auch wenn sich Prisco jetzt zur Ruhe setzen könnte, sieht er seinen Einsatz für Dresden längst nicht beendet. „Wir müssen die Stadt noch interessanter für Touristen machen“, sagt er. „Semperoper und Grünes Gewölbe reichen auf Dauer nicht. Wir brauchen mehr gute Marken und besondere Läden.“

Den Vorwurf, am Neumarkt auf Luxus zu setzen, den sich viele Dresdner gar nicht leisten könnten, weist er zurück: „Luxus ist Überfluss für wenige, Eleganz dagegen bezahlbarer Luxus für alle.“ Letzteres sei es, was Dresden benötige. Als Beispiel nennt Prisco die gerade eröffnete Chocolaterie „La dolce vita“ im Quartier an der Frauenkirche, die seine Frau Helga betreibt: elegante Designmöbel, auserwählte Köstlichkeiten, nicht ganz billig.

Bebauung gestoppt

Natürlich hat sich Prisco in all den Jahren nicht nur Freunde in Dresden gemacht. Mit seinen öffentlich inszenierten Baufesten stahl er jedem anderen Investor am Neumarkt die Show. Für das Quartier 6, wo er weiter investieren will, stoppte der Stadtrat nach heftigem Streit um ein neues Gewandhaus die Bebauung. Seitdem verschandeln hässliche Bauzäune den Blick. „Mag sein, dass ich auch Fehler gemacht habe“, so Prisco. Aber eines kann ich guten Gewissens sagen: „Ich habe nie jemanden über den Tisch gezogen.“

zwei Fotos

 

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