Sächsische Zeitung,
15. Juli 2010


Stadt lässt Neumarkt-Investoren hängen

Der Stadtrat hat endlich über die Gewandhausfläche entschieden.
Aber nun schreibt die Stadt neu aus.


Am Neumarkt stehen gleich zwei Investoren bereit, die auf dem Gewandhaus-Quartier bauen wollen, die holländische Firma Kondor Wessels und Günter Blobel. Beide arbeiten seit Wochen sogar gemeinsam an den Plänen, beide haben ein Interesse daran, dass der Neumarkt endlich vollendet wird. Doch sie dürfen nicht bauen. So wird der hässliche Bauzaun mitten auf dem Neumarkt wohl noch sehr lange erhalten bleiben.

Auch wenn der Stadtrat mit seinem Beschluss vom 3. Juni deutlich erklärt hat, dass die eigentliche Fläche des Gewandhauses unbebaut bleiben soll, ist dennoch alles offen. „Jetzt wird erst einmal ein Bebauungsplan für das Areal aufgestellt, damit Rechtssicherheit beispielsweise zu den Abstandsflächen besteht. Wenn der fertig ist, wollen wir die Fläche ausschreiben“, sagt Finanzbürgermeister Hartmut Vorjohann (CDU). Die Stadt habe mit dem British Hotel schlechte Erfahrungen gesammelt und wolle es nicht noch einmal auf einen Baustopp ankommen lassen.

Seit fünf Jahren will Kondor Wessels bauen. Zum Richtfest für das QF, das Quartier an der Frauenkirche, hatte der damalige OB Ingolf Roßberg ihnen schon den Zuschlag versprochen. Daraufhin hat das Unternehmen die archäologischen Grabungen und den inzwischen verworfenen Wettbewerb für das moderne Gewandhaus bezahlt. Es hat Geld in die Planung gesteckt und Grundstücke gekauft. „Mit uns wird nicht einmal gesprochen“, bedauert Arturo Prisco, der für Kondor Wessels verhandelt. (SZ/kle)

 

Irgendetwas stimmt nicht am Neumarkt

Peter Ufer

Von Ufer.Peter@dd-v.de

über Investoren am Neumarkt, die die Stadt verprellt


Zwischen Kulturpalast und Johanneum liegt eine der letzten Flächen am Neumarkt, die bebaut werden soll. Einem Investor gab Ex-Oberbürgermeister Ingolf Roßberg einst den Zuschlag dafür. Der Investor plante, organisierte Architektur-Wettbewerbe, suchte Partner. Er hatte sich auf die Stadt verlassen.

Doch jetzt ist er verlassen. Die Fläche wird neu ausgeschrieben. Warum allerdings, versteht der Investor nicht. Wer genau nachfragt, wird vom Finanzbürgermeister nur bedingt aufgeklärt. Das Einzige, was man schnell versteht, ist, dass die Fläche erneut unbebaut bleibt. Ein neuer Bebauungsplan, eine neue Ausschreibung verzögert den Lückenschluss am Neumarkt.

So kann man mit Investoren nicht umgehen. Vor allem nicht, wenn es Unternehmen sind, die längst bewiesen haben, dass sie am Neumarkt und anderswo in der Stadt mit Qualität gebaut haben. Es bleibt ein verdammt ungutes Gefühl, weil hier verzögert wird. Irgendetwas stimmt da nicht am Neumarkt.





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