Am Neumarkt
stehen gleich zwei Investoren bereit, die auf dem Gewandhaus-Quartier
bauen wollen, die holländische Firma Kondor Wessels und Günter Blobel.
Beide arbeiten seit Wochen sogar gemeinsam an den Plänen, beide
haben ein Interesse daran, dass der Neumarkt endlich vollendet wird.
Doch sie dürfen nicht bauen. So wird der hässliche Bauzaun mitten
auf dem Neumarkt wohl noch sehr lange erhalten bleiben.
Auch wenn der Stadtrat mit seinem Beschluss vom 3. Juni deutlich
erklärt hat, dass die eigentliche Fläche des Gewandhauses unbebaut
bleiben soll, ist dennoch alles offen. „Jetzt wird erst einmal ein
Bebauungsplan für das Areal aufgestellt, damit Rechtssicherheit
beispielsweise zu den Abstandsflächen besteht. Wenn der fertig ist,
wollen wir die Fläche ausschreiben“, sagt Finanzbürgermeister Hartmut
Vorjohann (CDU). Die Stadt habe mit dem British Hotel schlechte
Erfahrungen gesammelt und wolle es nicht noch einmal auf einen Baustopp
ankommen lassen.
Seit fünf Jahren will Kondor Wessels bauen. Zum Richtfest für das
QF, das Quartier an der Frauenkirche, hatte der damalige OB Ingolf
Roßberg ihnen schon den Zuschlag versprochen. Daraufhin hat das
Unternehmen die archäologischen Grabungen und den inzwischen verworfenen
Wettbewerb für das moderne Gewandhaus bezahlt. Es hat Geld in die
Planung gesteckt und Grundstücke gekauft. „Mit uns wird nicht einmal
gesprochen“, bedauert Arturo Prisco, der für Kondor Wessels verhandelt.
(SZ/kle)
Irgendetwas
stimmt nicht am Neumarkt
Peter Ufer
Von Ufer.Peter@dd-v.de
über Investoren am Neumarkt, die die Stadt verprellt
Zwischen Kulturpalast und Johanneum liegt eine der letzten Flächen
am Neumarkt, die bebaut werden soll. Einem Investor gab Ex-Oberbürgermeister
Ingolf Roßberg einst den Zuschlag dafür. Der Investor plante, organisierte
Architektur-Wettbewerbe, suchte Partner. Er hatte sich auf die Stadt
verlassen.
Doch jetzt ist er verlassen. Die Fläche wird neu ausgeschrieben.
Warum allerdings, versteht der Investor nicht. Wer genau nachfragt,
wird vom Finanzbürgermeister nur bedingt aufgeklärt. Das Einzige,
was man schnell versteht, ist, dass die Fläche erneut unbebaut bleibt.
Ein neuer Bebauungsplan, eine neue Ausschreibung verzögert den Lückenschluss
am Neumarkt.
So kann man mit Investoren nicht umgehen. Vor allem nicht, wenn
es Unternehmen sind, die längst bewiesen haben, dass sie am Neumarkt
und anderswo in der Stadt mit Qualität gebaut haben. Es bleibt ein
verdammt ungutes Gefühl, weil hier verzögert wird. Irgendetwas stimmt
da nicht am Neumarkt.