Sächsische Zeitung
Dienstag, 16. Februar 2010

British Hotel soll bis Jahresende fertig sein

Von Bettina Klemm

Auf der Landhausstraße am Neumarkt wird ein reich geschmückter Barockbau rekonstruiert und als Ferienresidenz genutzt.

Die Bauleute haben beim British Hotel an der Landhausstraße 6 am Dresdner Neumarkt die Höhe des Dachgeschosses erreicht. Die Schrägen sind schon gut erkennbar. „Allerdings ruhen derzeit wegen der Kälte alle Betonarbeiten“, sagt Volker Röhricht. Er ist Architekt der Ipro Dresden, die mit den gesamten Planungen für den Wiederaufbau des Palais beauftragt ist. Er hofft, dass es bald weitergehen kann, denn Ende März soll Richtfest gefeiert werden.

Reicher Fassadenschmuck

Bauherr und Betreiber des Zehn-Millionen-Projekts ist die Schweizer Firma Hapimag, die weltweit Ferienresidenzen errichtet. Sie will ihre Dresdner Residenz mit 38 Appartements mit insgesamt 76 Betten zum Ende des Jahres einweihen. Bis April soll die Musterwohnung eingerichtet sein, kündigt Hapimag-Manager Peter Leemann an.

Hinter der Bauplane sind derzeit die Versetzer an der Fassade beschäftigt. Sie befestigen den Sandsteinschmuck. Zufrieden betrachtet Volker Röhricht die Arbeiten für den Mittelrisaliten. Das barocke Gebäude ist ungewöhnlich reich mit Pilastern und Kapitellen aus Sandstein verziert. Die Entwürfe sollen von Frauenkirchen-Erbauer George Bähr und von George Haase stammen. Gebaut wurde das Palais 1715 bis 1717 für die Brüder Gottlob Adolph und Wolf Dietrich von Beichlingen. Volker Röhricht befasst sich nicht nur mit den Architekturplänen, sondern stöbert auch in Archiven nach Zeugnissen über die Geschichte des Hauses und dessen Bewohner. Später, sagt er, gehörte das Palais der Familie von Hoym. Deren Wappen auch die Fassade zierte. Im 19. Jahrhundert sollen häufig britische Gäste in dem Haus gewohnt haben. So kam es zu dem Namen British Hotel.

„Für den Sandsteinschmuck konnten wir Originalstücke verwenden“, erläutert Röhricht. 78 Fassadenteile wurden nach dem Krieg geborgen, 51 davon lassen sich wiederverwenden. Von Nahem sind sie durch eine etwas gröbere Struktur zu erkennen. Auf Grundlage der vorhandenen Stücke sowie Fotos fertigt der Großenhainer Steinbildhauer Tillmann Richter von der Firma Hartmut Witschel die fehlenden Teile an.

Baustopp brachte Zeitverzug Er gestaltet auch die vier Plastiken, die später wieder in den Rundnischen stehen werden. Ursprünglich nahm man an, dass es sich um Kaiserbüsten handelt, nach neuesten Erkenntnissen werden aber Götter, vermutlich Luna, Mars, Jupiter und Juno, dargestellt, sagt Röhricht. Bisher sind die Tonplastiken als Vorlage fertig. Jetzt müssen sie noch aus Sandstein gefertigt werden. In den Wiederaufbau des Gebäudes werden drei Originalkeller einbezogen.

Ursprünglich wollte die Hapimag schon zu Ostern die ersten Gäste im Palais begrüßen. Doch sie und die Ipro haben mit der Baustelle leidvolle Erfahrungen sammeln müssen. Der feierlichen Grundsteinlegung am 5. Dezember 2008 folgte zwei Monate später ein Baustopp. Die Eigentümer der Nachbargrundstücke hatten geklagt und Recht bekommen. Das British Hotel soll originalgetreu rekonstruiert werden. Damit lassen sich aber übliche Abstände zu den Nachbarbauten nicht einhalten. Um das Problem zu lösen, hat die Stadt als Kompromiss die Fläche hinter dem British Hotel gekauft. Seit September wird nun wieder gebaut.

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