Sächsische Zeitung,
24. Februar 2010

Barockfans fordern autofreien Neustädter Markt

Die Neumarkt-Gesellschaft drängt auf eine Verlegung der Bundesstraße 170, um die Innenstadtverbindungen wieder zu beleben.

Die Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden (GHND) will den derzeit gültigen Rahmenplan für die Innere Neustadt kippen. Stattdessen soll langfristig komplett der alte Bebauungsplan wiederhergestellt werden, wie er vor dem Krieg bestanden hat. Das bedeutet vor allem, dass der Neustädter Markt wieder zum Eingangstor für die Innere Neustadt hergerichtet wird. Die breite Verkehrsschneise der Bundesstraße 170 sollte dafür in einen Tunnel oder auf eine andere Strecke verlegt werden.

Dieses Konzept stellten die GHND-Vorstände Torsten Kulke und Philipp Maass gestern Journalisten vor. Es handele sich um eine Vision mit einer Perspektive von 40 bis 50 Jahren. Dazu gehört auch ein Wiederaufbau des alten Neustädter Rathauses an dem Ort, wo jetzt der sanierte Plattenbau mit der Gaststätte Watzke steht.

Die Weichen dazu müssten allerdings heute schon richtig gestellt werden. Dazu gehöre die Wiederaufnahme des Stadtgrundrisses der Vorkriegszeit und der Bau in kleineren Einheiten.

Zusammen mit dieser Bemerkung wiederholte Kulke die Kritik an den geplanten Florana-Neubauten entlang der Hauptstraße an der Öffnung von Heinrichstraße und Obergraben. Grundlage dafür sei gerade das langfristige Konzept für die Innere Neustadt gewesen, an dem die GHND schon länger arbeite. Dafür habe sie auch bereits im vorigen Mai die Ausdehnung ihrer Aktivitäten auf die Neustadt in der Satzung verankert.

Als Hintergrund für die Vision präsentierte Stefan Hertzig eine von Nobelpreisträger Günther Blobel finanzierte Forschungsarbeit über die Geschichte der Neustadt. Der Neustädter Markt sei einer der ältesten Siedlungspunkte Dresdens gewesen. Nach Hertzigs Erkenntnis war das Japanische Palais in den 1730er-Jahren der wichtigste Bau, nämlich Augusts echtes Barockschloss. Er sprach von einer kulturellen Weltsensation und äußerte die Erwartung, dass Touristen deshalb die Neustadt stürmen werden.

Kulke betonte stärker die Wiederherstellung der Verbindung von Alt- und Neustadt, die zu einer „starken Marke“ entwickelt werden könne. Der Verein veranstaltet am Freitag um 18.30 Uhr im Festsaal des Hauses der Kirche, Hauptstraße, eine Podiumsdiskussion zum Thema „Wie weiter mit der Inneren Neustadt?“ Stefan Rössel

zwei Abbildungen


Stadtgrundriss vor 1945: GHND

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