Donnerstag, 4. Februar 2010
(Sächsische Zeitung)

Moderne für die Hauptstraße in Dresden

Von Stefan Rössel

Erstmals zeigen Architekten ihre Entwürfe. Das moderne Projekt stößt auf Widerstand bei dem Verein historischer Neumarkt.

Im Streit um die Neubebauung in der Hauptstraße hat Investor Heinz Nettekoven jetzt erstmals die Pläne für die Bauten an Heinrichstraße und Obergraben veröffentlicht. Gemeinsam mit Architekt Thomas Knerer erläuterte er das Konzept in einer Informationsrunde vor dem Bauausschuss des Stadtrates sowie in einer Pressekonferenz. Dazu wurden Visualisierungen der künftigen Bauten vorgelegt. Der Bauausschuss nahm in seiner Sitzung gestern Abend das Konzept bis auf geringfügige Änderungswünsche wohlwollend auf.

Geplant sind zwei Wohn- und Geschäftshäuser als Ersatz für die leeren Plattenbauten auf einem 2000 Quadratmeter großen Grundstück. In den Erdgeschossen sollen neun Läden eingerichtet werden, darunter jedenfalls ein Café und womöglich eine Sparkassenfiliale. Für die vier Obergeschosse sind 39 Wohnungen vorgesehen.

Das Projekt hatte schon seit Tagen Wirbel gemacht, weil die Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden scharfe Kritik an den modernen Entwürfen geübt hatte, nachdem sie die Entwürfe zu Gesicht bekommen hatte. Sie fordert barockisierende Fassaden und Satteldächer an der Schwelle zu dem originalen Dresdner Barockviertel.

Architekt Knerer wies darauf hin, dass er bereits seit über 15 Jahren mit der Bebauung der Hauptstraße beschäftigt sei. So habe er in den 1990er-Jahren auch an dem Masterplan mitgearbeitet, in den sich nun die Neubauten einfügen sollen. Wesentliches Ziel dabei sei es, die Plattenbauten der Hausnummern 5 bis 7a abzureißen, um den Durchgang zur Heinrichstraße wieder in voller Breite zu öffnen. Sie ist heute nur durch einen engen Tunnel zu erreichen. Auch die alten Fluchtlinien sollten wieder hergestellt werden.

Außerdem will Knerer mit den modernen Bauten eine Vermittlung zwischen den sanierten Plattenbauten zum Neustädter Markt hin und der historisierenden Bebauung im Norden schaffen. Dazu seien etwa Sockel ausgeformt und die Fassade in Putz gehalten. Dem Wohnkomfort sollten die als Loggien gestalteten Balkone dienen. Schließlich sei eine Tiefgarage mit 47 Stellplätzen geplant, die vom Obergraben her befahren wird.

Nettekoven, Geschäftsführer der Florana KG, stellte klar, dass er schnellstmöglich – im März oder April – mit dem Bau beginnen und keine Änderungen an den Plänen vornehmen wolle. „Wir haben das Grundstück gekauft und wollen es so bebauen, wie es geplant ist“, erklärte er vor Journalisten. Auch Knerer betonte, dass Architektur keine Sache der Abstimmung sei, sondern eine geschlossene Gestaltung erfordere. Im Übrigen sei die Planung in der jetzigen Form mit dem Denkmalschutz abgestimmt.

Christoph Möllers, der Vorsitzende des Vereins Barockviertel, will sich in den nächsten Tagen ebenfalls von dem Investor über das Projekt informieren lassen. Der SZ sagte er gestern lediglich vorab, dass die Bauform an der Hauptstraße nicht unbedingt Barock sein müsse, wenn jedenfalls der Weg in das Viertel über die Heinrichstraße geöffnet werde.


Freitag, 5. Februar 2010
(Sächsische Zeitung)

Moderne siegt, Barock fällt durch


Der Investor verspricht leichte Anpassungen an die Umgebung. Vor Jahresmitte kommt die Genehmigung.

Die Planung für die Neubebauung der Hauptstraße in Höhe von Obergraben und Heinrichstraße ist ohne größere Bedenken vom Bauausschuss zur Kenntnis genommen worden. Das moderne Konzept fand prinzipielle Zustimmung bei nur einer Enthaltung.

Allerdings wünschten die Stadträte Nachbesserungen bei der Einbindung in die bestehende Altbebauung. So sollten die Höhen angepasst werden und die Blöcke in Heinrichstraße und Obergraben etwas stärker gegliedert werden, wie Grünen-Stadtrat Thomas Löser berichtete. Investor Heinz Nettekoven sicherte gegenüber der SZ bereits zu, dass die Höhen an die jeweiligen Nachbarhäuser in der Heinrichstraße und dem Obergraben angepasst würden.

Die Stadt kündigte gestern an, dass die beantragte Baugenehmigung im ersten Halbjahr 2010 erteilt werden solle. Die Genehmigungsfrist ende zwar am 10. März, aber es werde mit einer Verlängerung um zwei Monate gerechnet.

Die von der Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden geforderte barockisierende Fassadengestaltung spielte im Ausschuss keine Rolle. Für das Amt für Denkmalschutz fügt sich der moderne Entwurf gestalterisch in die vorhandene Bebauung ein. Mit der Öffnung der Heinrichstraße werde der historische Stadtgrundriss mit dem ursprünglichen Zugang zum Barockviertel wieder hergestellt. S. Rössel

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