Das Gebiet des Dresdner Neumarktes zwischen Kurländer Palais und Taschenbergpalais, zwischen Brühlscher Terrasse und Wilsdruffer Straße war bis zu seiner Zerstörung 1945 ein geschlossenes Flächendenkmal bürgerlicher Barockbaukunst von europäischem Rang.

Die Mitte dieses umrissenen Gebietes bestand aus einer unregelmäßigen Platzanlage, die sich aus drei ineinander übergehenden Plätzen zusammensetzte: der Jüdenhof, der Neumarkt und An der Frauenkirche.

Der Neumarkt wurde von dem einzigartigen Kuppelbau der Frauenkirche George Bährs bekrönt und bildete mit diesem zusammen Herz und Seele von Dresden.

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Luftaufnahme der Dresdner Altstadt vor 1945 mit Frauenkirche
Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek, Abt. Deutsche Fotothek Dresden

Wie die berühmten Bauten des sächsischen Hofes, der Kirche und des Bürgertums im Bereich von Residenzschloss, Zwinger und Theaterplatz gehörte der historische Neumarkt damit zu den architektonischen und städtebaulichen Höhepunkten Dresdens.

In der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945 wurden alle Wohngebäude des Neumarktes, wie der gesamten Innenstadt, infolge eines von Deutschland begonnenen Angriffskrieges durch alliierte Bomber zerstört.

In einer ideologisch aufgeheizten Nachkriegszeit beseitigten übereifrige DDR-Planungsbehörden bis auf wenige Ausnahmen die stehen gebliebenen Ruinenteile. Dresdner Denkmalpfleger konnten mit sehr viel persönlichem Einsatz kunsthistorisch wertvolle Fragmente aus dem Schutt retten, um sie in einen geplanten Wiederaufbau zu integrieren.

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Dresden Neumarkt nach weitgehender Enttrümmerung (1955)
Sächsische Landesbibliothek – Staats- und Universitätsbibliothek, Abt. Deutsche Fotothek Dresden

Jahrzehnte blieb der Neumarkt unbebaut. Erst in den 80er Jahren entstanden der unbefriedigende Plattenbau des Polizeipräsidium-Anbaus (2005 wieder abgerissen) und der zwischen leichtem Historismus und (Post) -Moderne einen Kompromiss suchende Hotelneubau „Hilton“.

Mit der 800-Jahrfeier der Stadt Dresden 2006 wandelte sich das Bild entscheidend. Die Frauenkirche wurde als Symbol der Versöhnung zwischen den Völkern wiederaufgebaut und 2005 feierlich geweiht. Um den zentralen Sakralbau Frauenkirche wachsen im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts neue Stadtquartiere empor. Sie geben Dresden einerseits eine wertvolle Erinnerung an einstige barocke Identität zurück. Andererseits sind die neuen Quartiere auch Zeugnisse einer sich dynamisch wandelnden Gegenwart mit einem optimistischen Ausblick in eine gemeinsame europäische Zukunft.

 

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Neumarkt Dresden mit fertiggestellten und noch zu bebauuenden Quartieren (Mai 2014)
Foto: T.Kantschew

Der Wiederaufbau des Neumarktes ist gut vorangekommen, seine Fortschritte sind
ersichtlich – nicht ohne öffentlichen Streit um das künftige Aussehen der Bauten am Neumarkt. Bisher wurden etwas zwei Drittel der Platzes mit seinen acht Bauquartieren fertiggestellt. Es bleibt also noch viel zu tun. Weitere Anstrengungen sind gefordert.