Wohnungsbau: Zündet Dresden den Bauturbo?

 

In Dresden besteht eine erhebliche Diskrepanz zwischen dem aktuellen Wohnungsbau und dem prognostizierten Bedarf, so berichtet die Sächsische Zeitung. Aktuell sind lediglich etwa 1800 Wohnungen im Bau, während nach einer aktuellen städtischen Prognose bis 2035 insgesamt 22.800 zusätzliche Wohnungen benötigt werden. Von den benötigten Wohnungen sollen 21.000 neu errichtet und 1.800 durch Sanierung gewonnen werden, wobei der Planung eine Reserve zugrunde liegt, da mit rund 19.000 neuen Haushalten gerechnet wird. Die gegenwärtige Bautätigkeit nimmt jedoch eher ab, da Investoren aufgrund steigender Kosten und höherer Auflagen die Anreize fehlen. Wurden 2020 noch fast 3.000 Wohnungen fertiggestellt, liegt der jährliche Durchschnitt nun bei nur noch 1.440. Um das Ziel zu erreichen, wären jedoch 2300 pro Jahr nötig. „Da kommt die Neubautätigkeit aktuell nicht heran“, stellt Pfohl fest und warnt: „Wenn wir so weiterbauen, wird sich der Markt weiter verknappen. Wir müssen ins Bauen kommen.“
Zur Beschleunigung plant die Stadt, den vom Bund beschlossenen „Bauturbo“ zu nutzen, der Genehmigungsverfahren erheblich verkürzen soll. Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) betont jedoch, dass der „Bauturbo“ allein nicht ausreicht. Entscheidend seien sinkende Baukosten, wobei der Bund sich laut Kühn „eine Halbierung der Baukosten zum Ziel gesetzt“ hat. Zudem setzt die Stadt auf digitale Bauanträge, eine schnellere Abstimmung zwischen Ämtern und eine mögliche Überarbeitung der Stellplatzsatzung, da ein Stellplatz im Bau zwischen 50.000 und 80.000 Euro koste. „Vielleicht braucht nicht jede Wohnung einen Stellplatz“, so Kühn.
Um zu verhindern, dass die Kontrolle über die Stadtentwicklung verloren geht, schlägt Kühn dem Stadtrat vor, die Anwendung des „Bauturbos“ an Bedingungen zu knüpfen. Dazu gehören das kooperative Baulandmodell mit einer Sozialwohnungsquote von mindestens 15 Prozent und eine Bauverpflichtung für Investoren innerhalb von drei Jahren ab Baugenehmigung. „Es soll kein Spekulationsturbo werden, mit dem Bauherren Genehmigungen horten, sondern Wohnungen sollen schnell gebaut werden“, erklärt Kühn. Bei kleineren Vorhaben soll die Verwaltung zudem eigenständiger entscheiden können, während die Gestaltungskommission weiterhin die qualitativen Standards gewährleistet. Insgesamt könnten so Pläne für rund 10.000 Neubauwohnungen schneller realisiert werden.