Die Sächsische Zeitung geht der Frage nach, warum die Sanierung des früheren Hotels Stadt Leipzig an der Heinrichstraße im Dresdner Barockviertel seit Monaten ruht. Schon seit den späten 1980er-Jahren stand der Prachtbau leer und musste schließlich wegen Einsturzgefahr abgestützt werden. Mehrere Eigentümer wechselten, Investoren hatten teilweise Pläne, setzten sie aber nicht um. 2012 kündigte die Hotel Stadt Leipzig Objektgesellschaft mbH, die zum Warschauer Unternehmen Griffin Real Estate gehörte, eine Sanierung an und erhielt 2014 die Baugenehmigung, doch es passierte jahrelang nichts. 2018 kaufte die Dresdner IIG Projekt Neustadt GmbH & Co. KG das Haus und begann Ende 2019 mit Arbeiten. Geplant waren 20 Wohn- und vier Gewerbeeinheiten im historischen Gebäude sowie eine Tiefgarage. In einem Hof-Neubau sollten weitere zehn Wohnungen und zwei Gewerbeflächen entstehen. Der Investor nannte das Projekt „Heinrichshöfe“. Mitte 2020 verhängte die Behörde wegen Gefährdung der Arbeiter einen Baustopp, den IIG-Geschäftsführer Uwe Werwach mit der Stadt zu lösen versuchte. Ende 2022 fielen die Gerüste an der Heinrichstraße, Mitte 2023 sollten die Wohnungen bezugsfertig sein. Seit vielen Monaten ruhen die Arbeiten seither, worauf Stadtrat Holger Zastrow eine Anfrage an den Oberbürgermeister richtete.
OB Dirk Hilbert schrieb, die letzten Maßnahmen seien im Mai 2023 abgenommen worden und der Bauherr habe Anfang dieses Jahres mitgeteilt, dass es im März mit den Bauarbeiten weitergehen würde. Eine erneute Baubeginnanzeige sei jedoch noch nicht eingereicht worden. Das Bauaufsichtsamt wisse nicht, warum die Arbeiten ruhen. Es gebe keine Probleme mit den bisher erfolgten Arbeiten, eine Fortsetzung wäre möglich, es müsse nur „eine Anzeige der Wiederaufnahme der Arbeiten“ eingereicht werden. Zastrow bemängelt, dass die Baustellenabsperrung erheblichen Straßenraum beansprucht, obwohl nichts passiert. Die Bauaufsicht geht wegen der zuletzt angekündigten Fortsetzung noch von einem zeitlichen Zusammenhang aus. Für die Nutzung des Straßenraums sei eine verkehrsrechtliche Anordnung nötig, die letzte sei im November 2025 ausgelaufen, deshalb werde nun ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Zugleich seien Sondernutzungsgenehmigungen ausgelaufen und seitdem keine Gebühren bezahlt worden. Diese könnten rückwirkend eingefordert werden. Die IIG Projekt Neustadt GmbH & Co KG antwortete nicht auf wiederholte Anfragen. Auf ihrer Website finden sich keine Angaben zum Fertigstellungstermin der Heinrichshöfe. Das Gebäude wurde 1837 nach einem umfassenden Umbau als Hotel eröffnet. Nach dem Krieg entstanden Wohnungen, in DDR-Zeiten befand sich im Erdgeschoss ein Eisenwarenladen, ein HO-Schild über dem Eingang erinnert daran. 1985 erfolgte die baupolizeiliche Schließung.
