Seit inzwischen einem Jahrzehnt verfolgt der Bauinvestor Frank Wießner das Ziel, das historische Narrenhäusel in Dresden wiederaufzubauen. Nachdem Wießner 2018 den Zuschlag für das Grundstück erhielt, soll der Bau nun im Sommer beginnen, mit einer geplanten Fertigstellung Ende 2027. Das rekonstruierte Gebäude soll äußerlich seinem historischen Vorbild entsprechen und im Erdgeschoss ein Restaurant mit Biergarten sowie in den Obergeschossen 14 Ferienwohnungen beherbergen. Die geschätzten Gesamtkosten belaufen sich auf etwa vier Millionen Euro. Kurz vor dem geplanten Baubeginn ist jedoch ein weiteres Problem aufgetaucht, wie die Sächsische Zeitung berichtet. Es betrifft die Finanzierung der baulichen Erschließung. Die Stadt hatte das Grundstück unter der Bedingung ausgeschrieben, dass der Investor die vorübergehende Baustraße selbst finanziert – allerdings mit der Klausel, dass Mehrkosten über 300.000 Euro vom Kaufpreis abgezogen werden. Da die Erschließung nun nicht wie ursprünglich geplant von der Wiesentorstraße, sondern von der Köpckestraße erfolgen soll, steigen die Kosten auf schätzungsweise 460.000 Euro. Die Differenz von rund 160.000 Euro müsste somit vom vereinbarten Grundstückspreis in Höhe von gut 717.000 Euro abgezogen werden.
Allerdings stellt die Verwaltung nun fest, dass diese Preisreduzierung zwar in der Ausschreibung festgehalten war, aber im Stadtratsbeschluss von 2018 nicht berücksichtigt wurde. Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) erklärt hierzu: „Der Beschluss berücksichtigte nicht die in der Ausschreibung ausdrücklich genannte Möglichkeit der Reduzierung des Kaufpreises.“ Um dies zu korrigieren, soll der Stadtrat nun den Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) ermächtigen, das Grundstück zum reduzierten Preis von knapp 558.000 Euro an Wießner zu verkaufen. Über diesen Vorschlag wird der Bauausschuss bereits in der kommenden Woche beraten.
Investor Frank Wießner betont, dass die Erschließung eigentlich städtische Aufgabe sei. „Ich übernehme die Kosten für den Straßenbau einer städtischen Erschließung“, so Wießner. Er geht davon aus, dass es sich bei der fehlenden Berücksichtigung im Stadtratsbeschluss um einen damaligen Fehler handelt und zeigt sich zuversichtlich: „Ich sehe das als reine Formalie und habe den Stadtrat in den vergangenen Jahren als seriös kennengelernt.“ Sollte der Rat der Preisanpassung nicht zustimmen, würde Wießner zwar den höheren Kaufpreis zahlen müssen, fordert dann aber eine Erstattung seiner bereits geleisteten 200.000 Euro sowie die Durchführung der Erschließung durch die Stadt selbst.
Dennoch ist die vertragliche Grundlage nun geschaffen, wie die Dresdner Neuesten Nachrichten am 14. Januar berichten. Wießner hat die Verträge unterzeichnet und wird nach der Überweisung des reduzierten Kaufpreises in Höhe von 558.000 Euro mit den Bauarbeiten beginnen können, sobald der Bauausschuss dem Vorschlag von Oberbürgermeister Hilbert zugestimmt hat. „Damit beginnen die Zinsen zu laufen und es muss auch losgehen“, kommentiert der Bauunternehmer den anstehenden Start. Die konkrete Bauplanung läuft bereits, wobei die Arbeiten unter dem Brückenkopf besondere Herausforderungen mit sich bringen. Zuerst wird Wießner die notwendige Zufahrt von der Köpckestraße aus provisorisch erstellen, dann das Gebäude errichten und abschließend die Zufahrtsstraße asphaltieren. Obwohl ein vergleichbarer Neubau üblicherweise in etwa neun Monaten realisierbar wäre, rechnet der erfahrene Unternehmer beim komplizierten Narrenhäusel-Projekt mit einer Bauzeit von bis zu zwei Jahren. Nach Fertigstellung wird das Gebäude nach 60 Jahren wieder in das Eigentum der Landeshauptstadt übergehen.
Die Dresdner Neuesten Nachrichten berichten am 15. Januar, dass der Ausschuss für Stadtentwicklung und Bau der Reduzierung des Kaufpreises für die Grundstücksfläche mehrheitlich zugestimmt hat. Während CDU-Stadtrat Veit Böhm das Verfahren kritisierte („In Zeiten einer dramatischen Finanznot müssen wir einen Verzicht auf 165.000 Euro genau prüfen. Letztlich ist alles so vertraglich mit dem Bauherren vereinbart worden, so dass wir in den sauren Apfel beißen müssen.“), betonte SPD-Baupolitiker Stefan Engel die Bedeutung der Entscheidung: „Der Wiederaufbau des Narrenhäusels kommt einen entscheidenden Schritt voran. Die Entscheidung schafft endlich Planungssicherheit für den Investor.“ und wertete das Votum als „wichtiges Signal für die Baukultur in Dresden“. Er ergänzte: „Jetzt kann auf der Neustädter Seite ein weiteres touristisches Highlight entstehen“ und stellte klar: „Wir hätten 2016 nicht mit einer so langen Zeit zwischen dem Beschluss und der Umsetzung gerechnet. Die Stadt kann sich glücklich schätzen, dass Frank Wießner nach all den langwierigen Abstimmungen und Kostensteigerungen an diesem Projekt festhält.“
