Carolabrücke: Bürgerinitiativen kritisieren Experten-Favoriten

 

Die Dresdner Neuesten Nachrichten berichten, dass die Baukultur-Initiative Stadtbild Deutschland das Votum des Expertengremiums für den Wiederaufbau der Carolabrücke scharf kritisiert und inhaltlich die Forderung der Initiative Carolabrücke aus Dresden unterstützt. Das Gremium hatte den Entwurf der Planungsgemeinschaft um Leonhard Andrä und Partner auf Platz 1 gesetzt, TSSB mit FHECOR kam auf Platz 2. Manuel Reiprich, Vorsitzender des Ortsverbandes Dresden und Bundessprecher von Stadtbild Deutschland, bemängelt Widersprüche in der Beurteilung, etwa dass der TSSB-Entwurf trotz zusätzlicher Stütze und einer 2,50 Meter höheren Gradiente als planungsrechtlich unbedenklich gilt, während zugleich ein verbleibendes Risiko konstatiert wird. „Diese widersprüchlichen Aussagen klingen nicht belastbar“, so Reiprich. Stadtbild Deutschland favorisiert hingegen den von den Experten auf Platz 4 verorteten Entwurf des Planungsteams Ingenieurbüro Grassl mit gmp Architekten sowie Jordi Keller Pellnitz Architekten. „Der einzige Entwurf, der aus unserer Sicht die Merkmale der Königin-Carola-Brücke von 1895 aufnimmt, ist der des Planungsteams Ingenieurbüro Grassl“, sagt Reiprich. Begründet wird die Präferenz mit durchgehenden sandsteinverkleideten Pfeilern, aufgesetzten Brückenkanzeln und einer sichtbaren vertikalen Unterteilung der Bögen. Der Entwurf sei zudem der günstigste, am schnellsten umsetzbare, habe eine einfache Tragwerkskonstruktion und sei wartungsarm. Reiprich fordert dazu auf, bei der Abstimmung ästhetische und städtebauliche Kriterien ins Zentrum zu stellen. „Die Präferenz sollte darauf liegen, welche Brücke am besten zu Dresden passt“, so Reiprich.
Die Initiative Carolabrücke teilt die Schlussfolgerung und erklärt: „Nach sorgfältiger Abwägung aller Aspekte, sowohl der Gestaltung als auch der Wirtschaftlichkeit, Langlebigkeit, Verkehrsführung und des Städtebaus, unterstützen wir den Entwurf des Teams um Ingenieurbüro Grassl“, so Milena Filipps. Sie betont, dass dieses Team Bürgeranregungen am konsequentesten umgesetzt habe und einen technisch einfachen, flexiblen und nachhaltigen Entwurf vorgelegt habe. Auffällige technische Unterschiede zu den anderen Entwürfen habe die Jury nicht herausgearbeitet.
Das Expertengremium hatte den Grassl-Entwurf als technisch gut durchdacht gewürdigt, ihn städtebaulich jedoch kritisiert. Besonders störten die Experten die übergroßen durchgehenden Pfeiler, weil diese die Sichtbeziehungen von den Elbufern auf die Stadt einschränken würden. Für Stadtbild Deutschland und die Initiative Carolabrücke sind gerade diese durchgezogenen Pfeiler ein wichtiges Merkmal der „Dresdner Brückenfamilie“ in der Altstadt.