Der Wohnungsbau in Dresden ist nahezu zum Stillstand gekommen, obwohl die Stadt bis 2035 rund 22.000 neue Wohnungen benötigt, so schreiben die Dresdner Neuesten Nachrichten. Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) verweist darauf, dass der Verwaltung nur wenige Hebel zur Beschleunigung des Baugeschehens zur Verfügung stehen, darunter die Zahl der Stellplätze, die Bauherren errichten müssen. Einen Versuch, die Quote bereits 2024 zu senken, hatten Kommunalpolitiker zuvor abgelehnt, nun aber haben Grüne, BSW und FDP/Freie Bürger gemeinsam im Stadtrat erfolgreich einen neuen Vorstoß gestartet. Im Zentrum steht die Idee, die Stellplatzpflicht zu lockern, um Kosten zu senken. „Wir haben uns angehört, was sich die hiesigen Projektentwickler wünschen“, erklärte Grünen-Stadträtin Susanne Krause. Begründet wird dies unter anderem mit dem Hinweis auf leerstehende Tiefgaragen. „Wir haben das Problem, dass wir im städtischen Bereich Tiefgaragenstellplätze bauen müssen, die leerstehen“, so Jörg Wimmer, Vorsitzender der „Stadtgestalter“, einem Zusammenschluss Dresdner Bauträger. In ländlicheren Bereichen sei ein Stellplatz pro Wohnung aus seiner Sicht realistisch, in der Innenstadt dagegen nicht. Der Bau eines Tiefgaragenstellplatzes könne „bis zu 60.000 Euro“ kosten, weshalb „Weniger Stellplätze könnten die Baukosten reduzieren“. Konkret soll die Quote von derzeit 1,0 auf 0,8 pro Wohnung abgesenkt werden. Die Fraktionen begründen dies damit, dass weniger Stellplätze den Verkaufspreis senken können. Wimmer nennt als Beispiel, dass „acht Stellplätze für zehn Wohnungen“ bei einem mittleren Vorhaben „den Verkaufspreis pro Eigentumswohnung um 8000 bis 10.000 Euro“ reduzieren könnten. Für Kühn ist entscheidend, dass es trotz Genehmigungen bereits Rückstände gibt, denn laut ihm wurden in den vergangenen Jahren 3000 Wohnungen genehmigt, aber nicht umgesetzt. Kritik kommt aus mehreren Richtungen. Die CDU warnt vor Folgen für den öffentlichen Raum, CDU-Verkehrspolitiker Veit Böhm sagte „Wir wollen nicht, dass sich der ruhende Verkehr in den öffentlichen Raum verlagert. Deshalb können wir nur mit Schmerzen zustimmen.“ Auch Holger Zastrow wendet sich dagegen und erklärt „Das ist gegen jeden Trend in dieser Stadt. Die Zahl der Fahrzeuge steigt, und die Autos sollten in der Nähe der Wohnungen stehen.“ Die Vorlage wurde mit 55 gegen 12 Stimmen angenommen, wobei gleichzeitig befürchtet wird, dass sinkende Stellplatzeinnahmen die Finanzierung von Projekten wie Fahrradparkhäusern oder Park-and-Ride-Plätzen schwächen könnten.
