Wie die Berliner Zeitung berichtet, formiert sich breiter Protest gegen die von der Sächsischen Landesregierung angekündigte Verwaltungsreform, weil zahlreiche Vereine einen Kahlschlag der sächsischen Denkmallandschaft befürchten. Vertreter mehrerer Organisationen warnten in Dresden, die Regierung treibe die Reform unter dem Deckmantel einer „Staatsmodernisierung“ voran. Kernpunkt ist die geplante Zusammenlegung der Landesämter für Archäologie und Denkmalpflege und deren Eingliederung in die Landesdirektion Dresden als zentrale Vollzugsbehörde. Thomas Westphalen erinnerte daran, dass bereits 1908 eine institutionelle Denkmalpflege eingerichtet worden sei und warnte, die Pläne negierten „alles, was Generationen in fast 120 Jahren aufgebaut“ habe. Westphalen verwies auf die Sprengung der Leipziger Universitätskirche St. Pauli 1968 als abschreckendes Beispiel und betonte, nach der friedlichen Revolution seien „unabhängige, wissenschaftlich fundiert arbeitende Fachämter“ entstanden. Diese Ämter seien für „Weiterbildung, Erfahrungs- und Wissensvermittlung, Forschung und Begleitung von hoher Bedeutung“ und könnten in einer weisungsgebundenen Vollzugsbehörde nicht mehr unabhängig arbeiten.
Kritisiert wird zudem die von der Reformkommission vorgeschlagene „kritische Neubewertung“ der Denkmalliste zugunsten einer Positivliste, die nur noch „Objekte mit erhaltenem Denkmalstatus“ aufführt und den Status aller übrigen Objekte aufheben würde. In einem offenen Brief an Ministerpräsident Kretschmer bemängeln Fachverbände und Institutionen das Fehlen einer „methodisch klar definierten, systematisch angewandten und wissenschaftlich begründete[n] Grundlage“ für ein dreistufiges Bewertungssystem. Eine vollständige Neubewertung aller Denkmale sei ressourcenintensiv und bürokratisch aufwendig. Zudem drohe, dass viele Denkmale künftig in die alleinige Zuständigkeit der Unteren Denkmalschutzbehörden übergingen, die den Oberbürgermeistern und Landräten unterstehen und „eher im Sinne von Investoren“ entscheiden könnten. Robert Bialek spricht von einem „Versuch, besonders den Denkmalschutz auf kommunaler Ebene mundtot zu machen“ und sieht in der Aufwertung unterbesetzter Unterer Denkmalschutzbehörden keine Lösung. Schlagworte wie „Entbürokratisierung“ und „Stärkung der Eigentümerrechte“ übertünchten seiner Meinung nach, dass „wertvolles Kulturgut … zum Freiwild erklärt“ werde. Westphalen fürchtet, dass künftig „fachliche Argumente keine Rolle“ mehr spielen.
Mehr als drei Dutzend Vereine, Institutionen und Einzelpersonen fordern in einem weiteren offenen Brief: „Keine Zerschlagung der Archäologie, keine Zerstörung der Denkmalpflege in Sachsen!“ und halten es für undenkbar, die Reform bis 2029 abzuschließen, ausgerechnet im Jahr der 5. Sächsischen Landesausstellung.
