Wie die Dresdner Neueste Nachrichten berichten, appellierte der Schweizer Architekt Jürg Sulzer bei einer Veranstaltung der Gesellschaft Historischer Neumarkt Dresden leidenschaftlich an die Stadt: „Schlagt Euch 30.000 Autos pro Tag aus dem Kopf. Denkt an das Jahr 2045!“ Sulzer, der an der Technischen Universität Dresden lehrte und sechs Jahre Vorsitzender der Gestaltungskommission war, sieht in der Debatte um die neue Carolabrücke die Chance, Dresden bis zum 100. Jahrestag der Bombenangriffe 1945 wieder so fertigzubauen, „wie sie einmal war“. Er fordert eine weitsichtige Entscheidung zur Carolabrücke und eine sorgfältige Entwicklung. Sulzer betont das Potenzial des breiten Verkehrsraums der St. Petersburger Straße und fordert ein neues Verständnis der Bundesgartenschau: „Ihr redet hier in Dresden von einer Bundesgartenschau. Dann entwickelt doch ein neues Buga-Verständnis! Die Buga muss Innenstadtentwicklung vom Hauptbahnhof bis zur Elbe sein.“ Er verweist auf das Planungsleitbild von 1994 und sagt: „Schon damals wusste man: Es muss ein radikaler Rückbau der St. Petersburger Straße erfolgen. Jetzt ist die Chance da, dieses Leitbild aufzugreifen.“ Nach seiner Auffassung könnte eine neu dimensionierte Carolabrücke spgar die Wiederaufnahme Dresdens in das Weltkulturerbe ermöglichen.
Der Dresdner Entwurfsplaner Martin Trux rechnete vor, dass ein Rückbau der St. Petersburger Straße Baugrundstücke von 55.000 Quadratmetern schaffen würde. „Wenn die Stadt diese Flächen zu einem angemessenen Preis verkauft, sind Einnahmen von über 100 Millionen Euro zu erwarten. Damit könnte die neue Carolabrücke finanziert werden.“ Baubürgermeister Stephan Kühn (Grüne) beschreibt die Straße als „eine 1,5 Kilometer lange Verkehrsschneise ohne Plätze, sondern nur mit Verkehrsknoten.“ Er verweist auf das Planungsleitbild, das 2008 fortgeschrieben wurde, und nennt die aktuelle Arbeit des Stadtplanungsamtes an einer weiteren Fortschreibung. Kühn betont: „Wenn wir die verkehrlichen Funktionen auf das Notwendige beschränken, haben wir Entwicklungspotenzial.“ Kühn hat Mittel für einen zweistufigen planerischen Wettbewerb zur St. Petersburger Straße in den Haushalt 2025/2026 eingestellt, mit Durchführung bis Mitte 2027. Sein Bereich sieht nur noch vier Fahrspuren zwischen Georgplatz und Rathenauplatz als erforderlich. Gleichzeitig liegt im Stadtrat ein CDU-Antrag vor, alle Planungen für die St. Petersburger Straße sofort zu stoppen mit der Begründung, die knappen Ressourcen seien für Vorhaben mit realistischen Umsetzungsperspektiven zu verwenden. Kühn konstatiert dazu: „Der Stadtrat legt mir ein Denkverbot auf.“ Er verweist auf studentische Arbeiten in Kooperation mit der TUD 2024 und 2025, die neben Wohnungsbau eine ausgeprägte grüne Achse vorschlagen, was Sulzers Buga-Idee ergänzt. Sulzer bezeichnet seine Einlassung als „Superweckruf für diese Stadt“.
